Hacks on the Beach 2026

CCCEvent

Drei Tage Chaos an der Flensburger Förde. Wie ich mit Küchenschichten, einem verstaubten Hobbyprojekt und Spaß am Gerät ein bisschen Utopie erleben durfte.

4 Min. Lesezeit

Vom 11. bis 13. September war es wieder soweit: Hacker von nah und fern haben sich an der Flensburger Förde getroffen, um gemeinsam ein kleines Stück Utopie zu leben. Kein Meetingmarathon, kein Ticket-System, keine Deadlines. Nur der Spaß am Gerät.

Das Wetter konnte sich derweil nicht entscheiden, ob es Spätsommer oder Herbststurm spielen wollte. Wir haben es uns trotzdem im Strandpavillon Solitüde gemütlich gemacht - irgendwo zwischen Mateflaschen, Laptops und 3D-Druckern.

Für mich war es der erste echte Kontakt mit dem Chaostreff Flensburg. Auf dem Congress war mir die Gruppe bei der Moin-Assembly (Mehrere Orte im Norden) schon öfter aufgefallen, das eng getaktete Programm dort hat einen Besuch aber nie zugelassen. Jetzt war endlich Zeit dafür.

Fidget Tool

Direkt bei der Ankunft gab es ein kleines Ritual: ein Fidget-Tool aus dem 3D-Drucker, das man sich selbst zusammenbauen durfte. Auf einem Gehäuse mit vier Tasten ließen sich mechanische Switches und passende Keycaps montieren, gedacht für die gepflegte Alltagshampelei zwischendurch. Die Keycaps konnten dabei zu Kürzeln wie HOTB oder C3FL zusammengestellt werden.

Mein Projekt

Mein Ziel für das Wochenende war simpel: Spaß haben und neue Leute kennenlernen. Als Projekt hatte ich mir vorgenommen, wieder an Gavel zu arbeiten, meinem Open-Source-Werkzeug für Code-Analyse. Gavel verbindet Techniken der statischen Codeanalyse mit der Behavioral Code Analysis in einem einzigen Werkzeug - offen zugänglich, ohne dass die nützlichen Funktionen hinter einer Paywall verschwinden.

Das Projekt steht seit ein paar Jahren auf meiner Todo-Liste. Zwischendurch hatte ich die Lust daran verloren. Ein Wochenende wie dieses schien mir aber nun genau die richtige Gelegenheit, dem Ganzen nochmal eine Chance zu geben.

Am Ende unterstützt das Tool jetzt eine Authentifizierung gegen Keycloak und liefert Metriken zur Code-Ownership einzelner Autoren. Dazu kamen einige Bugfixes, eine grundlegende Überarbeitung der Benutzeroberfläche und ein überarbeitetes Datenbankmodell. Ein sehr produktives Wochenende - und eines, das mir wieder Lust gemacht hat, das Projekt endlich auf die nächste Stufe zu heben.

Java Map Merge API

Gelernt habe ich außerdem, dass Java-Maps mittlerweile eine merge-Funktion mitbringen. Damit lässt sich das Aufsummieren oder Zählen von Werten über eine Map deutlich vereinfachen. Früher hätte ich dafür so etwas schreiben müssen:

for (int line = 0; line < contents.size(); line++) {
    final Author author = mailmap.map(getAuthorOfLine(blame, line));
    linesPerAuthor.put(author, 
        linesPerAuthor.getOrDefault(author, 0) + 1);
}

Jetzt reicht das hier:

for (int line = 0; line < contents.size(); line++) {
    final Author author = mailmap.map(getAuthorOfLine(blame, line));
    linesPerAuthor.merge(author, 1, Integer::sum);
}

Eine Zeile weniger Code, ein Stück weniger Fehleranfälligkeit. Kleine Funde wie diese sind es, die tiefe Fokuszeiten so wertvoll machen.

Küchenschicht

Chaos-Events funktionieren nur, weil alle mit anpacken. Also habe ich mich für jeden Tag mindestens eine Schicht eingetragen. Am ersten Tag ging es für mich in die Küche, zur Essensvorbereitung. Zwei Stunden lang haben wir gemeinschaftlich Kartoffelspalten und Paprika in Streifen geschnitten und geschnackt.

Mein Kollege am Schneidebrett, mein “Legumier” für den Nachmittag, kam aus Dänemark. Eine schöne Gelegenheit, das eingerostete Schulenglisch wieder hervorzukramen.

Besonders happy war ich darüber, dass das Essen fast vollständig vegan war. Auch bei der Planung der Mahlzeiten wurde darauf geachtet, dass Menschen mit Glutenunverträglichkeit mitessen können.

Kuchen zum Frühstück

Einer meiner Mitstreiter hatte am Samstag Geburtstag. Also habe ich den Morgen in der heimischen Küche verbracht und für die ganze Truppe hochskaliert einen veganen Zupfkuchen auf dem Blech gebacken. Er kam oben etwas zu dunkel aus dem Ofen, war aber gegen Mittag trotzdem restlos vergriffen. Ich hoffe, er hat allen gemundet.

Coole Projekte

Über andere Teilnehmer habe ich neue Projekte, Werkzeuge und Gruppen kennengelernt. So kam ich mit jemandem vom OK Lab Flensburg ins Gespräch. Dort hat sich eine aktive Gruppe von Freiwilligen gefunden, die Open-Data-Lösungen für die Region bauen.

Konkret ging es um Kultur Bytes, eine offene Plattform, die gerade veröffentlicht wurde. Sie fasst Meldungen zu Kulturveranstaltungen in der Region auf einem zentralen Portal zusammen und macht sie so sichtbarer.

In einem weiteren Gespräch ging es um Geodaten und das Projekt Nominatim, Teil von Open Street Map. Damit lassen sich Geokoordinaten zu Adressen abrufen und umgekehrt Adressen zu Koordinaten.

Junghacker:innen Tag

Der Samstag war der offizielle Junghacker:innen Tag. Eine kleine Gruppe aus der nächsten Generation fand sich bei der Veranstaltung ein und arbeitete lautstark und mit sichtbarem Spaß am Gerät an eigenen Projekten, bespielte die 3D-Drucker oder verlor sich in Retro-Videospielen wie Mario Kart 64.

Fazit

Für mich war die Teilnahme ein voller Erfolg. Neue Leute, neue Eindrücke und vor allem wieder Lust, an Gavel oder anderen Projekten weiterzuarbeiten. Wenn alles glattläuft, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.

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